Bericht zur Konferenz „Frauen*, erkämpfen wir uns die Welt“

Am 11. und 12. Oktober fand im Gewerkschaftshaus unsere Konferenz unter dem Motto „Frauen*, erkämpfen wir uns die Welt!“ statt. An zwei Tagen erhielten wir Einblicke in die Frauenstreik-Bewegungen anderer Länder, wir diskutierten und entwickelten gemeinsam Ideen zum 8. März 2020.

Den Aufschlag zur Konferenz machte am Freitag eine Veranstaltung mit international besetztem Podium und knapp 100 Teilnehmer*innen. Eine Referentin der Unión General de Trabajadores (Gewerkschaftsverband) aus Katalonien berichtete über die Stellung der Frau in Spanien und die Hintergründe des 24-stündigen Streiks am 8. März 2019. Die dezentral organisierte feministische Bewegung schaffte es, so viele Frauen in Bewegung zu bringen, dass nach anfänglicher Zurückhaltung auch die großen Gewerkschaftsverbände zum Frauen*streik aufriefen.
Die zweite Referentin Alicja Flisak ist Teil der Solidaritäts-Gruppe Dziewuchy, die die feministische Bewegung in Polen unterstützt. Alicja führte uns sehr deutlich vor Augen, was eine rechte Regierung in Bezug auf die gesellschaftliche Rolle der Frau bedeutet: Zurück an den Herd und eine brave Mutter und Hausfrau zu sein. Kämpferische und landesweite Massenproteste – bis in ländliche Regionen hinein – sorgten dafür, dass die Regierung eine geplante Verschärfung der Abtreibungsgesetze nicht durchführen konnte.

Die dritte Referentin, vom Revolutionären Aufbau Zürich, gab uns Einblicke in den gelungenen Streiktag in der Schweiz am 14. Juni 2019. Sie erläuterte, dass Frauen doppelt unterdrückt sind: Als Arbeitnehmerinnen durch die Arbeitgeber und ebenso durch ihre ihnen zugeschriebene Rolle als Hausfrau und Mutter. Frauen tragen bis heute noch den maßgeblichen Anteil an unbezahlter Reproduktionsarbeit.

Die Podiumsdiskussion zeigte trotz aller Unterschiede die Gemeinsamkeiten der Frauen*kämpfe auf. Der Austausch ermöglicht es, aus den verschiedenen Erfahrungen zu lernen und auf ihnen aufzubauen. Es liegt viel Arbeit vor uns, aber die Kämpfe in anderen Ländern zeigen uns, dass wir nicht alleine sind.

 

Der zweite Tag mit insgesamt 80 Teilnehmer*innen begann mit einem Referat von Brigitte Kiechle (Rechtsanwältin, Autorin und Aktivistin). Sie berichtete über vergangene und aktuelle Frauenkämpfe im internationalen Kontext und knüpfte so an den gemeinsamen Diskussionen des Vorabends an.

Mit ihr und den anderen drei Referentinnen konnten in Arbeitsgruppen die Themen vertieft werden. So gab es Workshops zum internationalen Frauen*streik, dem Verhältnis zwischen Frauenunterdrückung und Kapitalismus, Rechtsruck und den damit zusammenhängenden Folgen für Frauen*(rechte) oder auch über die Rolle der Gewerkschaften beim Frauen*streik in Spanien.
Bei einer theoretischen Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten des Frauenkampfes blieben wir an diesem Wochenende jedoch nicht stehen. Nachmittags wurde es konkret und wir erarbeiteten in mehreren Workshops Aktionsideen rund um den 8. März.

Dabei ging es unter anderem darum, wie wir betrieblich Frauen*kämpfe stärken können oder wie wir unsere Öffentlichkeitsarbeit verbessern können.

 

Unterstützen wir die Frauen in Rojava

Die aktuellen internationalen Geschehnisse gingen an unserer Konferenz nicht vorbei. Mit Entsetzen beobachten wir den Angriffskrieg der Türkei auf das kurdische Gebiet Rojava im Norden Syriens. Dort wird unter lebensgefährlichen Bedingungen für eine Gesellschaft gekämpft, in der Menschen gleichberechtigt – egal welches Geschlechts, Religion oder Ethnie – zusammenleben können. Viele Zivilist*innen konnten dort vor dem IS gerettet und in Sicherheit gebracht werden, aber aktuell sind alle von den türkischen Angriffen bedroht.

Wir haben daher am Gewerkschaftshaus ein Transparent mit der Aufschrift „Jin Jiyan Azadi – Solidarität mit Rojava“ (Frauen, Leben, Freiheit) aufgehängt und Teilnehmerinnen sind, als eine Solidaritätsdemonstration vorbeizog, raus vor das Gewerkschaftshaus gegangen, um unsere Solidarität zu zeigen. Zum Abschluss des Programms wurde noch ein Transparent in Solidarität mit den kämpfenden Frauen in Rojava gestalten und als Soligruß festgehalten.
Frauen* die kämpfen sind Frauen* die leben!
Wir gehen gestärkt und motiviert aus der Konferenz heraus. Wir konnten mit unterschiedlichen Frauen* sprechen und freuen uns insbesondere, dass auch Teilneher*innen aus anderen Städten nach Stuttgart zur Konferenz kamen.

Wer die Konferenz verpasst hat, aber gerne zum 8. März und weiteren Themen – wie beispielweise zum Tag gegen Gewalt an Frauen – arbeiten möchte, ist herzlich zu unserem nächsten regulären Treffen am Mittwoch, dem 06. November um 18:30 Uhr eingeladen. Für die konkrete weitere Planung zum 8. März 2020 könnt ihr außerdem zum Vorbereitungstreffen am Mittwoch, den 30. Oktober um 18 Uhr dazustoßen. Beide Treffen finden jeweils im Gewerkschaftshaus statt.

 

Hier findet ihr ein paar Bildeindrücke:

2 Kommentare zu „Bericht zur Konferenz „Frauen*, erkämpfen wir uns die Welt“

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