Wenn wir streiken…

… steht der Sozial- und Erziehungsdienst still

Am 28.9.2020 hat der Sozial- und Erziehungsdienst in Stuttgart gestreikt. Insgesamt gingen heute rund 1.000 Menschen auf die Straße und 2.000 Beschäftigte streikten, um auf ihre Forderungen aufmerksam zu machen. Mehr Anerkennung als nur Applaus und zwar ganz konkret: 4.5% und mindestens 150€ mehr Gehalt.

Schon gegen 7.30 Uhr morgens trafen die ersten Beschäftigten im Gewerkschaftshaus ein. Auch wir als Aktionsbündnis 8. März waren mit einem Infostand und vielen Streikzeitungen vor Ort. Wir wollen konkrete Arbeitskämpfe – wie aktuell im öffentlichen Dienst – mit einer frauen*kämpferischen Perspektive verbinden. Wir sind nicht nur Unterstützerinnen des Streiks. Viele von uns sind selbst in sozialen Berufen tätig und haben gestreikt. Wir sind Teil der Streikbewegung.

Mit frauenkämpferischen Parolen, einem Transparent und unseren Frauen*streikzeitungen waren wir sichtbar vor Ort. Zusätzlich dazu haben Frauen* mit Sprühschablonen feministische Akzente gesetzt. So wurden unter anderem folgende Inhalte auf den Kundgebungsplätzen hinterlassen: „Wir sind relevant, die VKA nicht“, „Wenn wir streiken, steht die Welt still“ oder auch „weiblich, systemrelevant ausgebeutet – wir streiken!“. Wir kamen mit einigen Frauen* ins Gespräch und viele sprachen mit uns über ihre Mehrfachbelastung: zu wenig Personal, Überstunden sowie Kinder oder Angehörige, die gleichzeitig daheim betreut werden müssen.

Bis heute arbeiten Frauen häufiger in schlecht bezahlten Berufen und in Teilzeit. In Baden-Württemberg verdienen Frauen im Schnitt 26% weniger als ihre männlichen Kollegen.

Im Sozial- und Erziehungsdienst, in Krankenhäusern und der Hauswirtschaft stehen schlechte Bezahlung, Teilzeit, Überstunden und psychische Belastung auf der Tagesordnung. Gleichzeitig sind allein im Sozial- und Erziehungsdienst über 80 Prozent der Beschäftigten Frauen!

An Tätigkeiten, bei denen es ums Pflegen, Erziehen, um Haushaltsarbeiten oder andere soziale Tätigkeiten geht, wird gespart wo es geht: Am Personal, an Investitionen in Räumlichkeiten und an weiterer Infrastruktur.

Wir machen deutlich: nicht mit uns Frauen*! Wir solidarisieren uns mit allen Streikenden im öffentlichen Dienst und werden insbesondere die Kämpfe im Sozial- und Erziehungsdienst, der Pflege und der Hauswirtschaft begleiten. Wir werden uns aber auch darüber hinaus einmischen und vorhandene Missstände bekämpfen. Egal ob zu niedrige Löhne, fehlende Tarifbindung oder Sexismus im Betrieb – wir werden uns über die Träger hinweg unterstützen!

Wenn wir Frauen* streiken, steht die Welt still!
Wir machen weiter, denn diese Tarifauseinandersetzung noch nicht vorbei!