Weiblich, systemrelevant, ausgebeutet – Feministische Aktionen beim Hauswirtschaftsstreik!

Am 01. Oktober sind die Beschäftigten der Hauswirtschaft vom Jugendamt und vom Katharinenhospital in Stuttgart dem Streikaufruf der Gewerkschaft ver.di gefolgt. Ein Bereich, in dem – wie auch in manch anderen Branchen des öffentlichen Dienstes – hauptsächlich Frauen* tätig sind. Wir sind mit ihnen gemeinsam auf die Straße gegangen, um ihre Forderungen aktiv zu unterstützen. Mündliche Anerkennung reicht lange nicht aus. Ganz konkret fordert ver.di: 4,5 Prozent und mindestens 150€ mehr Gehalt. Die Forderung von einem Sockelbetrag mit 150€ ist insbesondere für Beschäftigte in den unteren Entgeltgruppen – also auch Hauswirtschafter*innen – sehr wichtig.


Schon gegen 08.00 Uhr morgens trafen die ersten Beschäftigten im Gewerkschaftshaus ein. Nach der Streikgelderfassung und einer kurzen Begrüßungskundgebung startete ein Demonstrationszug zum Stuttgarter Schlossplatz in der Innenstadt. Dort wurde ein öffentliches Streikcafe aufgebaut mit Getränken, süßen Stückchen, Reden, Musik und Redebeiträgen. Als Aktionsbündnis 8. März waren wir mit einem Infostand, vielen Frauen*streikzeitungen und verschiedenen Aktionsmaterialien vor Ort. Bei unserem Infostand im Gewerkschaftshaus beschrifteten Beschäftigte bereits Schilder mit ihren Forderungen und Statements, wie zum Beispiel: „Bessere Bezahlung, mehr Anerkennung, mehr Zeit!“, „Putzteufel gibt es nicht. Die Männer würden für dieses Gehalt nicht arbeiten“ oder „Wertschätzung für unsere Leistung!“ Diese wurden an Laternen und anderen Dingen während der Demo und auf dem Schlossplatz angebracht. Auch wurden mit Sprühkreide und entsprechenden Vorlagen Parolen, wie „Weiblich, systemrelevant, ausgebeutet – Wir streiken“ oder „Wir sind relevant – die VKA nicht!“ gesprüht. Außerdem wurden Wäscheleinen mit Putz- und Kochutensilien sowie Schildern gespannt, um auf den sonst so unsichtbaren Bereich der Hauswirtschaft aufmerksam zu machen. Mit einem Banner vom Aktionsbündnis machten wir außerdem deutlich: Nur wenn wir gemeinsam streiken und organisiert kämpfen, können wir Frauen*ausbeutung und den Kpitalismus überwinden. Mit all den Schildern und Sprühereien wurden alle Stuttgarter*innen über die Forderungen und die miserablen Arbeitsbedingungen der beschäftigten Frauen* in der Hauswirtschaft informiert.

Bei dem Streikcafe haben verschiedene Reden der Beschäftigten und eine Solidaritätsrede unsererseits die Passant*innen auf den Streiktag aufmerksam gemacht. Die Aktionen, die Reden und der Austausch untereinander ergaben insgesamt ein vielfältiges, kraftvolles und selbstermächtigendes Bild – und genau so soll es auch sein! 

Manche der Schilder hatten wir bereits im Vorhinein gemeinsam mit Hauswirtschafter*innen des Jugendamts angefertigt. So hatten wir schon vor dem Streik gemeinsame Diskussionen mit den Beschäftigten, in denen es um ihre Arbeitsbedingungen, mangelnde Wertschätzung und auch um die Rolle als Frauen* ging.

Schlecht bezahlt und doch systemrelevant!

Die Hauswirtschaft ist nicht nur von schlechten Arbeitsbedingungen und geringer Bezahlung geprägt, von der die Beschäftigten alleine nicht leben können. Auch bei der gesellschaftlichen Anerkennung herrscht Fehlanzeige! Das ist leider kein Wunder und hängt mit dem kapitalistischen System zusammen, in dem wir leben. Der Bereich der Hauswirtschaft umfasst die Reproduktionsarbeit, also Tätigkeiten wie kochen, putzen oder waschen. Genau die Arbeit, die auch im Privaten, also zu Hause, hauptsächlich Frauen* übernehmen. Wir Frauen verrichten alltäglich im Hintergrund diese unsichtbare Arbeit.

Sie wird nicht gesehen, weil dabei nicht direkt ein neues Produkt entsteht, oder aber, weil sie so stattfindet, dass es kaum jemand merkt: zu Hause in der Küche, wenn niemand da ist, oder auf der Arbeit, wenn die anderen Beschäftigten noch nicht da sind oder schon wieder Feierabend haben. Wichtig und nötig ist diese Arbeit dennoch.

Wenn nicht gekocht, geputzt, gepflegt und sich um die Kinder gekümmert wird, läuft nichts und kann man(n) auch seiner Arbeit nicht nachgehen. Diese reproduktive, bzw. hauswirtschaftliche Arbeit ist notwendig für das Funktionieren einer Gesellschaft. In einem System, welches auf Profit und stetigen Wachstum ausgelegt ist, überrascht es nicht, dass Tätigkeiten, mit denen nur schwer Profite erwirtschaftet werden können, schlecht oder gar nicht bezahlt werden. Seit Jahrhunderten wird die Übernahme dieser Tätigkeiten Frauen* zugewiesen. 

Doch was wäre ein Krankenhaus ohne seine Reinigungskräfte, die für die nötige Hygiene sorgen? Was wäre eine Kindertageseinrichtung ohne Hauswirtschaftskräfte, die die Betten der Kinder neu beziehen und ein warmes Essen auf gespülten Tellern herrichten? Die Ansprüche an die Hauswirtschaftskräfte sind hoch: alles muss pünktlich, hygienisch rein und perfekt vorhanden sein, sonst läuft der Laden nicht. 

Daher sehen wir es genauso wie die Beschäftigten: Es reicht!
Schluss mit der Vergabe von Aufträgen an externe Reinigungsfirmen, Schluss mit der Klatscherei und her mit besserer Bezahlung und mehr Anerkennung! 

Bei den Forderungen der Gewerkschaft bleiben wir nicht stehen. Wir kämpfen für die kleinen Verbesserungen im hier und jetzt, aber machen uns nichts vor: Um all diese Missstände tatsächlich zu überwinden, müssen wir uns ebenso gegen die kapitalistischen und patriarchalen Verhältnisse wenden. Denn es sind diese Verhältnisse, die die Ausbeutung von Frauen* aufrecht erhalten. Wir werden nicht länger hinnehmen, dass Frauen* sowohl zuhause, als auch in öffentlichen Einrichtungen diejenigen sind, die kochen, putzen und pflegen, ohne von dieser Arbeit leben zu können!