Aktionspavillion zum internationalen Safe Abortion Day

Jedes Jahr protestieren am 28. September, am internationalen Safe Abortion Day, weltweit Frauen* für legale und sichere Schwangerschaftsabbrüche. Schwangerschaftsabbrüche sind auch in Deutschland nicht legal, wenn auch unter bestimmten Umständen straffrei. Sie sind seit fast 150 Jahren im Strafgesetzbuch im §218 geregelt.

Wir Frauen* vom Aktionsbündnis 8. März waren deshalb am Montagabend mit einem Aktionspavillon in der Stuttgarter Innenstadt, um durch Infomaterial, Redebeiträge und verschiedene kreative Aktionen auf das Thema aufmerksam zu machen. Einen Tag später haben wir gemeinsam mit anderen Gruppen eine Filmvorführung des Films „Niemals, Selten, Manchmal, Immer“ mit anschließender Diskussion organisiert.

Der Fokus des Tages lag auf der aktuellen Situation in Baden-Württemberg, denn vor allem hier vor Ort wird die Versorgungslage immer schlechter, da immer weniger Ärzt*innen Abbrüche vornehmen. Der bundesweite Aufruf zum Safe Abortion Day stand ebenfalls passend dazu unter dem Motto: „Schwangerschaftsabbruch ist Grundversorgung. Egal wo. Egal wer. Egal warum.“

In Stuttgart gibt es nur vier Ärzt*innen, die Schwangerschaftsabbrüche vornehmen. In eher ländlichen Gebieten sieht es noch schlechter aus, in ganzen 14 Landkreisen gibt es gar keine Ärzt*innen, die einen Abbruch vornehmen. Grund dafür ist die fehlende Ausbildung im Medizinstudium und die Kriminalisierung durch das Strafgesetz. Kein Krankenhaus in Stuttgart nimmt Abbrüche vor. Wir sind daher vor das größte städtische Klinikum, das Katharinenhospital mit angrenzendem Olgahospital und Frauenklinik, gegangen und haben dort ein Transparent entrollt: Wir fordern, dass das Katharinenhospital Ärzt*innen ausbildet und einstellt, die Abbrüche vornehmen.

Im Laufe des frühen Abends wurden in der Stadt Kleiderbügel angebracht, denn diese stehen symbolisch für eigenständig durchgeführte Abtreibungen im privaten Raum. Dabei sterben jährlich unzählige Frauen* auf der ganzen Welt. Es gibt viele Gründe, weshalb Frauen* in Deutschland nicht auf einfachem Wege sichere Abbrüche durchführen lassen können: die Versorgungslage ist viel zu gering und nicht flächendeckend, die Kosten eines Abbruchs (rund 300-600 Euro) müssen selbst getragen werden, es müssen ein Zwangsberatungsgespräch und zeitliche Fristen eingehalten werden und nach der 12. Woche der Schwangerschaft sind Abbrüche überhaupt nicht mehr möglich.

Dabei liegt auf der Hand, dass wir Frauen* uns bei dem Kampf für Selbstbestimmung über unseren Körper nicht auf Zugeständnisse des Staates verlassen können, denn es sind die Gesetze des Strafgesetzbuchs, die uns dieses Recht überhaupt erst verwehren. Wir müssen uns selbst dafür einsetzen, dass sich die Versorgungslage verbessert und gemeinsam aktiv werden. Die große Frauen*bewegung für die Legalisierung von Abtreibungen „Mein Bauch gehört mir!“ der 70er Jahre hat es uns vorgemacht und die Straffreiheit erkämpft.

Wir fordern daher eine bessere Versorgung, vollständige Kostenübernahme der Krankenkassen und ein ausschließlich freiwilliges Beratungsangebot. Frauen können selbst entscheiden!

Frauen*unterdrückung hat viele Facetten… unser Widerstand auch!

In den letzten Tagen haben wir als Aktionsbündnis 8. März nicht nur Aktionen für legale Schwangerschaftsabbbrüche und sexuelle Selbstbestimmung gemacht, sondern uns auch an den Warnstreiks im öffentlichen Dienst beteiligt. Im Sozial- und Erziehungsdienst und der Hauswirtschaft arbeiten mehrheitlich Frauen* für viel zu geringe Löhne. Der Kampf für sexuelle Selbstbestimmung und der Kampf für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen sind zwei Seiten einer Medaille: Die Benachteiligung von Frauen* in der Gesellschaft zeigt sich im Paragraphen 218 genauso wie in der Lohnungleichheit und der ungleichen Verteilung unbezahlter Hausarbeit zwischen den Geschlechtern. Wie selbstverständlich wird von uns erwartet, dass wir die Versorgung von Kindern übernehmen, unbezahlt im Haushalt arbeiten und niedrige Löhne hinnehmen. Und dann will der Staat auch noch über unseren Körper entscheiden? Da machen wir nicht mit, wir kämpfen für echte Gleichberechtigung in der Gesellschaft. Daher solidarisieren wir uns vom Aktionsbündnis 8. März mit den Warnstreiks, die es in diesen Tagen im öffentlichen Dienst gibt. Wir Frauen* stehen zusammen für eine Gesellschaft, in der unsere Wünsche und Bedürfnisse und nicht Kapitalinteressen zählen. Für eine Gesellschaft, in der häusliche Gewalt verhindert wird und in der jeder Mensch frei über seine Sexualität und seinen Körper bestimmen kann.

Pro Life? Pro Choice!

Am Montag waren leider nicht nur Frauen* vom Aktionsbündnis 8. März in der Stadt und haben sich für legale Schwangerschaftsabbrüche eingesetzt. Am Rotebühlplatz haben Abtreibungsgegner der konserativen „Pro Life“ Bewegung ebenfalls einen Infostand gemacht. In den letzten Jahren werden sogenannte „Lebensschützer“ – fundamentale Christen, Konservative und Rechte – immer aktiver. Sie machen Kampagnen gegen Abtreibungen, schüchtern Beratungsstellen ein und verklagen die wenigen Ärzt*innen, die noch Abbrüche vornehmen. Der Stand am Rotebühlplatz blieb nicht unbeantwortet. Wir haben auch dort vor Ort deutlich gemacht, dass nur wir Frauen* selbst das Recht haben, über unseren eigenen Körper zu entscheiden. Niemand darf über den Körper eines anderen bestimmen. Deshalb gehört der §218 abgeschafft.

Mein Körper, meine Entscheidung!