Es heißt Femizid

Am 06. Mai 2021 versammelten sich einige Frauen* vor einem Wohnhaus in Stuttgart Backnang, um dort einer Frau* zu Gedenken, die zwei Tage vorher ermordet in ihrer Wohnung ermordet aufgefunden wurde. Tätverdächtig ist ihr Lebenspartner.

Als Aktionsbündnis luden wir Frauen* ein, gemeinsam und vor Ort an die ermordete Frau zu erinnern. Wir legten Blumen nieder, sagten ein paar Worte zu den Umständen ihres Todes, zündeten Kerzen an und hielten eine Schweigeminute ab. Außerdem erinnerten wir an die 56 weiteren Frauen*, die allein im Jahr 2021 in Deutschland von Bekannten ermordet wurden.

Seit Januar 2021 wurde in Deutschland jeden zweiten Tag eine Frau* ermordet. Jeden Tag gab es einen Versuch. In diesen Fällen sind die Täter Ehemänner, (Ex-)Partner, Väter, Söhne oder Brüder – also Bekannte der ermordeten und angegriffenen Frauen*.

Diese Frauen*morde wollen wir sichtbar machen. Sie haben einen Namen: Femizid.

Femizide sind die tödliche Zuspitzung von Kontrolle, Zwang und Macht über Frauen*. Der Begriff macht deutlich, dass diese Morde weit mehr als tragische Einzelfälle sind. Sie sind struktureller Teil unserer Gesellschaft.

Wenn Gewalttaten still und heimlich in den eigenen vier Wändern geschehen, ist es unsere Pflicht, das Schweigen zu brechen.