Kinderwagen-Blockade gegen das mütterfeindliche Sparprogramm bei H&M

Am 15. September haben wir mit Kinderwägen den Eingang einer H&M-Filiale in der Königstraße blockiert, Flyer verteilt und eine Rede gehalten. Mit der Aktion machten wir auf das mütterfeindliche Sparprogramm des Modekonzerns aufmerksam.

Schlechte Arbeitsbedingungen im Textileinzelhandel

H&M ist seit Jahren für schlechte Arbeitsbedingungen in den Verkaufsfilialen bekannt. So wird kein Personalpuffer eingeplant und sogenannte Flex-Verträge, also Arbeit auf Abruf, führen dazu, dass sich Beschäftigte ständig bereithalten und keine verlässlichen Arbeitszeiten haben. 2019 gelangte das schwedische Unternehmen aufgrund von Ausspähung von Mitarbeitenden in die Schlagzeilen. Und Betriebsrät*innen berichten von Mobbing und davon, dass ihre Arbeit systematisch behindert wird.

Mütterfeindliches Sparprogramm

Nun verfolgt das Unternehmen in Deutschland auch noch einen Sparkurs, der junge Mütter und Frauen*, die ihre Angehörigen pflegen, besonders betrifft. Anfang 2021 baute H&M hunderte Stellen ab und ging dabei insbesondere gegen Beschäftigte vor, die nicht in den umsatzstarken Abendstunden und an Samstagen arbeiten können. Auf der Abschlussliste standen unter anderem Angestellte, die sich zu dem Zeitpunkt in Elternzeit befanden. Nun will der zweitgrößte Textilkonzern der Welt auch noch planbare Schichten abschaffen und Mitarbeitende zu Stoßzeiten flexibel arbeiten lassen. Doch gerade junge Mütter und Menschen, die Angehörige pflegen, sind auf feste Schichtpläne und planbare Arbeitszeiten angewiesen.

Profitmaximierung auf Kosten von Familien

Beschäftigte werfen dem Unternehmen vor, die Digitalisierung verschlafen zu haben. Und auch die Corona-Krise kann nur ein vorgeschobener Grund für die Sparmaßnahmen sein. Denn auch wenn H&M durch den Shutdown im vergangenen Jahr Umsatzeinbußen verzeichnete, konnte die börsennotierte Aktiengesellschaft am Ende des Jahres einen Jahresüberschuss in Millionenhöhe verzeichnen. Und Stefan Persson, größte Aktionär der Modekette, kann sich weiterhin als reichster Mann in Schweden bezeichnen, der zwei Dörfer und riesige Anwesen in England besitzt. Die Sparmaßnahmen, die nun auf dem Rücken der Beschäftigten, insbesondere junger Mütter ausgetragen werden, haben also nur ein Ziel: Mehr Profite und Gewinne für ein paar Wenige.

Schlechte Beschäftigungsbedingungen im Einzelhandel

Mehr als 75 Prozent der Beschäftigten im Einzelhandel sind weiblich. Bei Modeketten wie H&M ist der Frauenanteil mit mehr als 80 Prozent noch höher. Doch die Arbeit dort ist für viele Frauen* eine Armutsfalle. Der Lohn reicht häufig nicht zum Leben und führt direkt in die Altersarmut.

Der Einzelhandel profitiert vom patriarchalen Familienmodell

Dass das Wohl der Mitarbeitenden keine Rolle für die Unternehmen spielt, zeigt sich auch in der aktuellen Tarifverhandlung im Einzelhandel. Die Arbeitgeber bewegen sich keinen Schritt in Richtung der Beschäftigten. Obwohl der Einzelhandel im elften Jahr in Folge seinen Umsatz steigern konnte, weisen sie die Forderung der Gewerkschaft Ver.di nach 4,5 Prozent plus 45 Euro mehr Lohn zurück. Dabei kalkuliert der Handelsverband ganz bewusst damit, dass die Arbeit im Einzelhandel nicht zum Leben reicht. Im Jahr 2017 machte er unmissverständlich deutlich, dass eine Arbeitsstelle im Handel nicht ausreicht, um sich selbst zu versorgen: Altersarmut sei im Handel kein Problem, da in den „Haushalten zusätzlich ein Vollzeitverdiener vorhanden“ sei.

Deutlicher kann man nicht zum Ausdruck bringen, dass das System aus Niedriglohn und Minijobs auf ein patriarchales Familienmodell angewiesen ist.

Für eine Gesellschaft ohne Profitwahn

Die Situation im Einzelhandel zeigt uns, dass es in diesem kapitalistischen System nur darum geht, möglichst viel Profit zu machen. Wie es den Beschäftigten dabei geht, interessiert die Unternehmer nicht. So wollen auch H&M und Co. mit uns als Kundinnen Gewinne machen und beuten uns als Verkäuferinnen rücksichtslos aus.

Mit unserer Aktion zeigten wir deswegen, dass wir Frauen* zusammen halten. Gemeinsam kämpfen wir für eine Gesellschaft, in der es um die Menschen und nicht um Profite geht und in der wir Frauen nicht ausgebeutet werden – weder in der Familie, noch am Arbeitsplatz.

We strike back! Wer Mütter unter Druck setzt, bekommt es mit uns Frauen* zu tun!