Für das Recht auf körperliche Selbstbestimmung!

Am 16. September gegen den „Marsch für das Leben“ in Köln auf die Straße

Dieses Jahr soll zum ersten Mal der „Marsch für das Leben“ auch in Köln stattfinden. Dabei wollen verschiedene fundamentalistische und rechte Akteure durch die Innenstadt ziehen und ihre antifeministische Hetze vor allem in Bezug auf Abtreibungen verbreiten.

Christliche Fundamentalist:innen und Vertreter:innen einiger Kirchengemeinden nutzen diese Demonstrationen, um ein reaktionäres Familien-, Frauen- und Geschlechterbild zu propagandieren. Ebenfalls nehmen AfD und CDU/CSU Politiker:innen an diesen Märschen teil oder unterstützen diese durch Grußwörter. Unter dem Deckmantel der Nächstenliebe und vermeintlicher Aufklärung stellen sie Abtreibungen mit Tötungen gleich und beschuldigen die Betroffenen der Euthanasie. Frauen reduzieren sie auf die Rolle der Hausfrau und Mutter, sie sprechen ihnen die selbstbestimmte Entscheidung über ihre Leben und Körper ab. Diese Demonstrationen dienen dabei als Anknüpfungspunkt für weitere rechte, menschenfeindliche Ideologie.

Dagegen setzen wir uns zur Wehr! Abtreibungen müssen sicher und zugänglich für alle sein. Wir fordern eine ersatzlose Streichung des §218 ein, der Schwangerschaftsabbrüche weiter kriminalisiert.

Am 16.9. fahren wir gemeinsam nach Köln, um uns an den Gegenprotesten vor Ort zu beteiligen. Wir freuen uns über alle, die mitfahren möchten.

Wenn ihr mitfahren wollt, meldet euch per Mail bei: aktion-frauen@riseup.net.

Was ist der „Marsch für das Leben“?

Am 16.9. soll zum ersten Mal auch in Köln der „Marsch für das Leben“ stattfinden. Ähnliche Demonstrationen, zum Beispiel in München und Berlin, führen viele unterschiedliche Akteur:innen zusammen – von christlichen Fundamentalist:innen, über Burschenschaftler bis hin zu Faschist:innen. Sie nennen sich selbst „Lebensschützer“ und geben vor, bei ihren Märschen friedlich gegen assistierten Suizid und Schwangerschaftsabbrüche zu protestieren. Dabei hetzen sie nicht nur gegen Abtreibungen und Menschen, dies diese durchführen, sondern leugnen auch die Identitäten und Rechte von inter-, trans und nicht-binären Personen.

Diese sogenannten „Lebensschützer“ arbeiten damit aktiv gegen die Selbstbestimmung von Frauen, inter-, trans und nicht-binären Personen und teilen ein reaktionäres Bild von Familie, Frauen, Geschlechtern und Sexualität. Wenn auch unterschiedlich begründet und propagiert, dient ihr zur Show getragener Antifeminismus dabei als Brückenideologie: Denn er findet Anklang in verschiedenen Teilen der Bevölkerung und hilft damit rechten und faschistischen Kräften, ihre Ideologie weiterzuverbreiten.

Erklärtes Ziel der Abtreibungsgegner:innen ist ein völliges Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen. Nach derzeitiger Gesetzeslage ist ein Schwangerschaftsabbruch nur dann in den ersten 12 Wochen straffrei, wenn die Austragung das Leben der Schwangeren gefährdet, die Schwangerschaft auf einer Vergewaltigung basiert oder Schwangere sich vor dem Abbruch einer Pflichtberatung unterziehen. Die Kriminalisierung durch den Paragraf 218 hat weitreichende Folgen. Wollen Schwangere in Deutschland eine Abtreibung vornehmen, steht sie vor verschiedenen Hürden. Der Zugang zu Informationen, Beratungsterminen sowie Terminen für die eigentliche Abtreibung ist eingeschränkt. Abtreibungen sind Teil keiner medizinischen Ausbildung, somit gibt es nur wenige ausführende Mediziner:innen. Oft ist die nächste Klinik für Abtreibungen bis zu zwei Stunden entfernt und Schwangere müssen im Regelfall die Kosten von 350 bis 600€ selbst tragen. Schwangere werden durch die gesellschaftliche und gesetzliche Bevormundung isoliert und es wird ihnen die Selbstbestimmung über ihre Körper und Leben aberkannt.

Doch das jetzige Ausmaß an Kriminalisierung und Diffamierung von Menschen, die sich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden, reicht den Abtreibungsgegner:innen nicht.

Christliche Fundamentalist:innen in der „Lebensschutzbewegung“

Besonders geprägt ist die sogenannte „Lebensschutzbewegung“ von christlichen Fundamentalist:innen. Sie glauben an eine „natürliche“, „gottgegebene“ Geschlechterordnung, in welcher Frauen bestimmte Eigenschaften, wie Fürsorglichkeit, Selbstlosigkeit und Mütterlichkeit zugeschrieben werden. Die Rolle als Mutter wird ihnen aufgezwungen. Ihr „göttlicher Auftrag“ und die „Verwirklichung der Frau“ besteht demnach in dem Gebären und Aufziehen der Kinder in einer heterosexuellen Ehe, in welcher die Frau dem Mann untergeordnet ist und ihm dienen soll.

Die Geschlechterordnung der christlichen Fundamentalist:innen ist binär. Das bedeutet, dass in dieser Ordnung nur Mann und Frau anerkannt werden. Nicht-binäre, inter- und trans Identitäten weichen von der „natürlichen“ Geschlechterordnung und der damit verbundenen Rollenzuschreibung ab. Da diese Abweichung als eine Bedrohung für die „göttliche Ordnung“ gesehen werden, werden nicht-binäre, inter- und trans Identitäten von Fundamentalist:innen geleugnet. Diese antifeministische Weltanschauung wollen fundamentalistische Christen mit dem Marsch für’s Leben in die Gesellschaft tragen. 

Rechte Ideologie in der „Lebensschutzbewegung“

In der sogenannten „Lebensschutzbewegung“ verschmelzen die reaktionären Vorstellungen der christlichen Fundamentalist:innen mit rechten Verschwörungsmythen. Sie bieten einen Nährboden für die Ideologie und Anschlussfähigkeit rechter und faschistischer Gruppen. Politisch rechte Gruppierungen teilen das unter christlich-fundamentalistischen Abtreibungsgegner:innen verbreitete Frauen- und Geschlechterbild. Auch sie rechnen Frauen „natürliche Fähigkeiten“ zu, wollen Frauen als Hausfrau und Mutter und verleugnen die Identität nicht-binärer, inter- und trans Personen als „Gender-Ideologie“.

Die „Lebensschutzbewegung“ sieht die Gesellschaft von einem „Werteverfall“ bedroht, für den sie unter anderem die feministische Bewegung verantwortlich macht. Einhergehend mit der Vorstellung, das vermeintliche „Wesen der Frau“ würde mit der Mutterschaft verwirklicht, sorgen sich Teile der Bewegung dabei um die sinkende Geburtenrate in Deutschland. Diese „Sorge“ eint sie mit Rechten, die die Verschwörung eines „Bevölkerungsaustauschs“ verbreiten. Rechte und faschistische Kräfte verstehen darunter, dass mit der aktuellen Geburtenrate von 1,46 Kindern je Frau der „Volkstod“ droht und „die Deutschen durch Migration ersetzt werden“ sollen. Einige Abtreibungsgegner:innen ziehen darüber hinaus Vergleiche mit der Shoah, sprechen bei Abtreibungen von einem „Babycaust“ und werfen Menschen die abgetrieben haben „Euthanasie“ vor. Ob mit Grußwörtern oder über die Beteiligung von Abgeordneten wird klar, dass auch die AfD beim „Marsch für das Leben“ mitmischt. Veranstaltungen und Demonstrationen von Abtreibungsgegner:innen verbreiten somit nicht nur Antifeminismus, sondern auch Transfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus.